Auch die Lehrer sollen das Berufsleben kennen lernen

Pressemeldung vom 6.07.2001
Westfalenblatt

Tagung zum Thema Berufswahl - Ausbildung - Beschäftigung
Auch die Lehrer sollen das Berufsleben kennen lernen


Von Elke Wemhöner


Bielefeld (WB) Vorbei die Zeit, in der die Schule eine Insel war im Bildungswesen. Fürs Leben lernen bedeutet heute, sich frühzeitig mit der Berufswahl vertraut zu machen. Wie das aussehen könnte, probieren seit geraumer Zeit Schulen und andere Bildungseinrichtungen aus. Eine Tagung in Bielefeld, Ausrichter war die Universität, bot Vertretern von Schulen, Wirtschaft, Gewerkschaften, Politik und den zuständigen Ministern Gelegenheit, Ideen auszutauschen. Denn das Zugehen auf einander ist oberstes "Lernziel"

Der Lehrer, der nie einen Produktionsbetrieb von innen gesehen hat, ist ein schlechter Ratgeber. "Wir müssen die Lehrer in die Betriebe holen", sagt deshalb Klaus Luther, Ministerialrat im Bundesministerium für Bildung und Forschung. Das ist aber nur ein Punkt von einem ganzen Katalog von Möglichkeiten, der durch die Kooperation von Schule und Wirtschaft erzielt werden soll. Bei der Vorstellung verschiedener Pilotprojekte wurden diese Möglichkeiten vorgestellt. Der Austausch von Auszubildenden und Schülern (Azubi erzählen von ihrem Alltag) gehört ebenso dazu wie der Berufswahlpass des Schulabgängers.
Damit kann er oder sie selbst überprüfen, welche Schritte schon erfolgt sind und wie gelungen der Kontakt mit einer Berufssparte war. Auch Fähigkeiten und Kompetenzen, wie sie die Ausbildungsbetriebe heute verlangen (Zusammenarbeit, Kreativität, soziale Kompetenz) sind damit deutlicher zu erkennen. Hier schalten sich auch die Hochschulen und Fachhochschulen ein, möchten ihr Angebot erläutern und natürlich auch schmackhaft machen.
Die Universität lädt deshalb nicht nur Schüler ein, Vorlesungen, Seminar und Labor näher kennen zu lernen. Sie ermöglicht es Schülern auch, nach einer Woche Hochschuleindruck nachzufassen, wie die erworbene Qualifikation in der Berufswelt zu nutzen ist.
Die Kritik der Wirtschaft, die jungen Leute kämen völlig unvorbereitet in das Berufsleben, führt 1999 zu einer gemeinsamen Absichtserklärung der Bund-Länder-Kommission, entsprechende Projekte zu fördern. Gleichzeitig sollten diese Projekte wissenschaftlich begleitet werden. 6,5 Millionen flossen in 20 Projekte bundesweit, 450 Schulen nehmen teil. "Wir wollen praktische Lösungen entwickeln", betont Klaus Luther. Dazu gehöre, dass Jugendliche ein echtes Bild vom Beruf und vom Arbeitsmarkt bekommen.
Prof. Dr. Gerd-E. Famulla, Leiter der wissenschaftlichen Begleitung des Projektes, fordert vor allem Kontinuität des Austausches zwischen Wirtschaft und Schule sowie die Vor- und Nachbereitung für die jungen Leute. Universitäts-Rektor Prof. Dr. Dieter Timmermann, Leiter des Projektes in Bielefeld, fügte hinzu, die Zahl der Ausbildungsabbrecher müsse minimiert werden.
Bis die Annäherung von Schule und Wirtschaft erfolgt ist, wird es noch etwas dauern. Aber viele Firmen setzen mit der Öffnung ihrer Produktionsstätten und Büros für den Nachwuchs bereits Signale. Und der Tenor der Projektbegleiter ist klar: Die Wirtschaft zeige sich sehr aufgeschlossen. Beste Voraussetzungen für Schule, dies zu nutzen und frühzeitig den Prozess der Berufsfindung zu starten.


Die Initiatoren des Projektes Schule - Wirtschaft/ Arbeitsleben (v.l.): Prof. Dr. Gerd-E. Famulla, Leiter der wissenschaftlichen Begleitung des Programms, Uni-Rektor Prof. Dr. Dieter Timmermann, Ulrich Thünken, Volker Möhle, Zentrum für Lehrerbildung der Universität Bielefeld und Ministerialrat Klaus Luther aus dem Bundesministerium für Bildung und Forschung
Foto: Bernhard Piercel

  
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